Ssinter Mätes … oder der heilige Martin

Heute ist Sankt Martin.

Heute! Es war nicht gestern, nicht vorgestern und auch nicht am vorigen Wochenende.
Heute – am 11.11.

Warum das so wichtig ist?
Nun, ich bin schwer traumatisiert, was das Martinssingen aus meiner Kindheit angeht. Und das möchte ich anderen Kindern ersparen, deswegen muss mal jemand das richtige Datum nennen.

Auch bei mir gab es bestimmt viele schöne Jahre, an denen ich am Martinszug teilgenommen habe und zusammen mit meinen Eltern und anderen Kindern viel Spaß beim Singen an Haustüren und Einsammeln von Süßigkeiten hatte. Nur leider kann ich mich an diese schönen Momente gar nicht bis kaum erinnern. Denn sie werden überschattet von dem einen Martinssingen, an das ich mich erinnere:

Ich muss wohl schon etwas größer gewesen sein, denn ich war ohne meine Eltern unterwegs. Voller Vorfreude hatte ich mich auf den Weg gemacht und dann bekam ich an fast allen Haustüren Folgendes zu hören: „Tut uns leid, wir haben gar nichts mehr, die Kinder waren doch alle schon gestern und vorgestern da.“

Wie bitte? Wofür gibt es denn ein feststehendes Datum, wenn jeder macht, was er will? Das geht so nicht.

Am 11.11.  wurde der heilige Martin von Tours beerdigt und deswegen ist der 11.11. auch der Martinstag, bitteschön.

Und obwohl mir Sankt Martin folglich in nicht ganz so guter Erinnerung geblieben ist, liebe ich unser mölmsches Martinslied „Ssinter Mätes Vögelsche“. Das kennt eigentlich keiner, der nicht selbst aus Mülheim kommt, denn Mölmsch Platt ist unsere ureigene Mundart. Und wer jetzt an „hömma, samma, kannze ma“ denkt, der liegt völlig falsch! Mölmsch Platt liegt irgendwo zwischen Holländisch und Plattdeutsch aus dem Norden. Und wenn man als Mülheimer Pflanze, wie ich sie bin, ganz viel Glück hat, dann bekommt man ein paar Brocken dieser Mundart von seinen Eltern oder Großeltern beigebracht, so wie ich von meiner Großmutter und meinem Vater.

Viel kann ich nicht, aber „Ssinter Mätes“ bekomme ich noch zusammen:

Ssinter Mätes Vögelsche,
heet soan roat Kapögelsche,
cheflooge, chestoowe;
wiit, wiit öwer dä Rhin,
wo de fette Färkee sinn.
Chutt Frau, chiff us wat,
all de Hünnerkes legge wat!
Do boowen en de Fääsche,
do hange de lange Wööste,
chiff us de lange, lott de kotte hange,
lott us nee soa lang hie stoon,
wei wille noch en Hüüske widder choon.

Hie van do noo Äässe, hoal’n en fette Blässe.

Hie vöar, do vöar,
vöar de riike Koupmannsdöar.

Hier wohnt ein reicher Mann,
der uns was geben kann,
viel soll er geben,
lang soll er leben,
selig soll er sterben,
das Himmelreich ererben.

Die Maat, die löpp de Trappe eropp,
se pack waal en de Nöötesack,
se pack waal nee doneewe,
se sall us waal wat cheewe.
Chiff wat, haul wat,
teegent Joor wiier wat.
Ssinter Määtes Stuppstatt.
Schmiit dän Appel döar dat Chatt,
schmiit en nee soa wiit,
söös fällt he en dä Driit,
schmiit en nee soa hatt,
söös fällt he en dat Chatt!
Muus, Muus, kumm eruut,
chiff us Äppel un Nööte,
Äppel un Nööte sinn soa chutt
föar dän aulen Patsfoot!

(Und wenn man nichts bekommen hat, folgt dieses:)

Dat Huus, dat steiht op einem Pinn,
do wonnt dä chitzige (soa un soa) drinn!

Sieht ganz schön komisch aus, was? Das kommt wohl daher, dass Mölmsch Platt eigentlich nur mündlich weitergegeben wird. Wer mehr darüber wissen möchte, kann z.B. hier nachschauen (da gibt es auch eine Übersetzung des Liedes). Wie schade, dass ich diese „Sprache“ nicht komplett beherrsche und dass sie generell immer weniger Leute sprechen. Abhilfe kann da ein Sprachkurs bei unserer VHS schaffen, denn dort kann man es noch richtig lernen.

In diesem Sinne:

Uss Moodersprook                   

Off dat wahl woar, wat ick do hoar,
Wat ssich die Lüt vertelle,
Dat we-i in twintig – dattig Johr
Die platte Sprook wahl ne meahr häwwe?
Ke-in Wötsche Platt in user Stadt,
Chekallt van kle-in un chroat?
Me-i dünk, en Voolk chanz oahne Platt,
Dat öss lebendig doat.

Dat ssök noh Bloomen, die verblüht,
Noh Litsches, die verklunge,
Die all vöar houned Johr am Oat,
Cheplooch un ouk chessunge.
Dat ssök noh Wöat, die nimeahr do.
Die Laund un Lüt verboune.
Die Wöat, die all van aulers heer,
Uss Mölmsche Aat bekoune.

Ick chohn doar min aul Vaaderstadt,
Me-i öss dobe-i ssu bang,
Dat e-ines Daags uss Moodersprook,
Verlüüs dä ssööte Klang.
Merr – do höar ick die Klocken lühe,
Sse klingen hattlich me-i inŽt Oahr,
Ssoa ssall uss Moodersprook ouk klinge
Wahl noch in dousend Johr.

(Fritz Sauerbrey)

Advertisements
Nächster Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

12 Kommentare

  1. Höh? Ich kenne das auch so, dass man am 11.11. singen geht. Ist das hier anders?
    Hehe, Du warst im Perfetto! Ich seh‘ es genau!! 😉

    Antwort
    • Eigentlich ist das hier auch am 11.11., aber das Foto hab ich z.B. am vergangenen Sonntag geschossen, also am 6.11. Ts, hier macht einfach jeder, was er will 🙂
      Ja, ich war im Perfetto, musste ich doch mal meinem Lieblingsmenschen zeigen 🙂

    • Das ist ja echt krass. Nee, nee, nee.
      Und wie fand er das Perfetto? Habe meinen Liebsten ja auch neulich hingeschleppt. Er fand’s schön. Trotzdem ist es ein Mädels-Kaffee-Klön-Café hehe. Finde ich. Aber frühstücken geht auch immer gut.

    • Meiner fand’s auch super. Zumal wir nett draußen in der Kälte mit einer Decke gesessen haben.
      Ich denke, ich werde ihn öfter mal dorthin schleifen 😀

  2. Bei uns geht man am 10. – evangelische Gegend. Als wir einmal bei Verwandten im katholischen Ländle gegangen sind, war es auch der 11. Wir Protestanten wieder, alles machen wir anders 😀 (Aber ich habe mich auch lange gewundert, warum es anders ist)

    Antwort
    • Ach, das ist ja interessant, das hat was mit katholisch oder evangelisch zu tun?
      Aber offiziell ist doch nun mal der 11. der Martinstag, oder nicht?
      Wie dem auch sei, schön isses allemal, so oder so 😀

    • Nee, also da muß ich widersprechen! Ich komme auch aus einer evangelischen Gegend und da haben wir St.Martin am 11.11. gefeiert.

  3. So genau weiß ich das leider selber nicht – ich habe das immer eher so hingenommen als Kind *g*

    Antwort
  4. Heiko

     /  14/11/2011

    Guter Blog, gefaellt mir sehr. Auch schoene Themen.

    Antwort
  5. Bei uns war das ja immer von der Siedlung organisiert und der Kindergarten und die Grundschule liefen gemeinsam. Keine Ahnung, ob es jedes Jahr am 11.11. war, aber es war quasi nicht möglich, am falschen Tag zu laufen, denn es wurde ja gesagt, wann.

    Das einzige Trauma war entsprechend der schreckliche Laternenbrand, aber das hab ich wohl einigermaßen überwunden.

    Antwort
    • Dein Laternenbrand klingt auch echt aufregend.
      Wir hatten ja nur die blöden Funzeln, keine echten Kerzen. War aber auch ganz gut so.
      Ich denke, ich habe mein Trauma nun auch ganz gut überwunden. Wofür hat man schließlich einen Blog? 🙂

Hier kannst du deinen Senf dazu geben!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s