Das Meer, ach

Meer kurz vor dem Regen

Johannes hatte vor Kurzem auf seinem Blog zu einer Blogparade über das Meer aufgerufen. Selbstverständlich habe ich es nicht geschafft, in der vorgegebenen Zeit einen Beitrag zu schreiben. Aber gelesen habe ich einige der ungefähr vierzig Beiträge zur Blogparade. Und so oft musste ich beim Lesen zustimmend nicken, seufzen und schwärmen. So oft, dass meine Gedanken immer wieder zum Meer und zu dem, was ich mit ihm erlebt habe,  zurückkehren. Deshalb kommt nun mit reichlich Verspätung von mir auch noch ein Beitrag.

  • Der Ist-Zustand

Immer wenn wir überlegen, ein paar Tage wegzufahren oder auch nur einen Tagestrip zu machen, sage ich sofort: „Ich will ans Meer.“ Egal ob nach Holland oder in den deutschen Norden, bis zur Nordsee sind es von hier aus ungefähr 2,5 Stunden. Eigentlich unglaublich, dass ich manchmal nur einmal im Jahr dort bin. In der Zwischenzeit fällt mindestens zweimal im Monat der Satz: „Wir müssen unbedingt mal wieder ans Meer fahren.“

  • Das erste Mal

Meine früheste Erinnerung ans Meer ist ein Urlaub, den ich mit meinen Eltern in Italien verbrachte. Ich muss so ungefähr vier Jahre alt gewesen sein und wir fuhren mit dem Auto nach Milano Marittima (ob der Ort stimmt, weiß ich nicht genau, es ist jedenfalls der Name, der in Familienrunden immer mal wieder fällt). Meine Erinnerung an diesen Urlaub besteht eigentlich aus nicht viel mehr als dieser Situation: Wir hatten eine aufblasbare rote Gummiente, in der ich wie in einem Boot saß. Mein Papa ist mit mir ins Wasser hinein; ich in der Ente, er daneben. (Wie übrigens später auch, als er mir das Fahrradfahren beigebracht hat.) Aber die Wellen, sie waren so hoch, dass ich Angst hatte. Vermutlich waren sie gar nicht hoch, aber für mich, ja, für mich waren sie riesig. Wasser schwappte über den niedrigen Entenrand, Tropfen spritzten mir ins Gesicht und ich bekam Angst. Aber mein Papa meinte, etwas weiter draußen sei das Meer viel ruhiger, wir müssten nur über die ersten Wellen hinauskommen. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich mich direkt darauf einließ. Ich glaube, dass ich das anfangs nicht wollte. Aber irgendwann in diesem Urlaub sind wir dann doch weiter hinaus … und er hatte Recht. Wenn man erst einmal über diese kleinen gemeinen spritzenden Wellen hinaus ist, dann wird es ruhiger.

  • Schwimmen im Meer

Ich bin keine richtige Wasserratte. Schwimmen habe ich erst recht spät gelernt und bin auch nie über das Seepferdchen hinausgekommen. Ich hatte Angst vor dem Wasser. Vermutlich, weil meine Mama auch nicht so gut schwimmen kann. Sie bekommt Angst, wenn sie unter sich keinen Boden mehr spürt. Das hat wohl auf mich abgefärbt. Inzwischen kann ich ganz gut Brustschwimmen, Kraulen hingegen habe ich nie gelernt. Keine Ahnung, wie ich durch den Schulsport gekommen bin. (Aber Schulsport ist ein ganz eigenes Thema, zu dem man eigentlich mal Bloggen müsste.) Im Schwimmbecken fühle ich mich heute sehr wohl und Schwimmen macht mir als eine der wenigen Sportarten auch richtig Spaß. Beim Schwimmen im Meer verspüre ich hingegen immer ein wenig Unsicherheit. Zumindest wenn ich weiter draußen bin und das Meer sehr aufgewühlt ist. Trotzdem liebe ich es, vor allem, wenn richtig Wellen sind. Als ich ungefähr 14 Jahre alt war, waren wir auf Formentera im Urlaub und an einem Tag herrschte ein solcher Wellengang, dass es einem die Beine wegriss. Man musste sehr aufpassen und durfte nicht zu weit hineingehen, aber es machte einen Riesenspaß. Trotzdem verbringe ich manchmal sogar eine ganze Woche am Meer, ohne nur einmal darin gewesen zu sein. Das ist mir nicht so wichtig, viel wichtiger ist, es zu sehen, riechen, hören.

  • Der perfekte Zeitpunkt

Besonders mag ich das Meer zu Zeiten, wo die wenigsten Menschen am Strand sind: im Winter, bei schlechtem Wetter und im Dunkeln.
Winter: Wenn es so richtig kalt ist und man vom Wind sandgestrahlt wird, dann ist ein Strandspaziergang das Schönste, was es gibt. Einige Jahre bin ich mit Freunden immer im Dezember/Januar nach Texel in ein Ferienhaus gefahren und die Strandspaziergänge waren so großartig. Wir mussten uns so sehr einpacken, dass nur noch unsere Augen zu sehen waren; es war so stürmisch, dass der Wind eine feine Sandschicht über dem Boden vor sich her trieb. Und dann zogen wir unsere Schuhe und Strümpfe aus, krempelten die Hosen hoch und gingen ein Stück ins Meer. Das war der Wahnsinn; vor allem das Gefühl danach, wenn wir mit einem heißen Grog wieder vor dem Kamin saßen und langsam auftauten.

Schlechtes Wetter: Als wir in diesem Jahr auf der Heimfahrt aus dem Urlaub noch kurz für den üblichen letzten Gruß am Strand waren, zog gerade ein Gewitter auf (siehe Foto oben). Der Strand war wie leergefegt, denn die Wettervorhersage hatte es schon angekündigt. Wir standen auf der Düne und konnten sehen, wie der Regen an anderer Stelle schon herunterkommt. Gleichzeitig schien auf der anderen Seite noch die Sonne. Ein fabelhaftes Bild. In dem Moment, wenn es anfängt zu donnern und zu blitzen, werden Himmel und Meer eins. Diese beiden Urgewalten prallen aufeinander und es ist, als ob der eine den anderen aufpeitscht.

Dunkelheit: Natürlich war ich schon früher im Dunkeln am Meer, aber ich hatte einfach vergessen, wie sehr ich das mag. Eine laue Sommernacht im Dunkeln, der Mond strahlt und das Wasser bekommt so eine eigentümliche Farbe; die Gischt leuchtet irgendwie grünlich. Weiter draußen sieht man ein paar Lichtlein von vorbeifahrenden Schiffen und irgendwo macht der Leuchtturm seine beruhigende Arbeit. Ich könnte stundenlang im Sand sitzen und in die Dunkelheit starren, die gar nicht richtig dunkel ist. Und wenn ich dann über die Düne zurückgehe und einen letzten Blick zurück auf das Meer werfe, um „Tschüss“ zu sagen, dann frage ich mich, ob es nachts auch wirklich da bleibt … oder ob der Meerwärter kommt, das Ganze zusammenklappt und sicher in einem Köfferchen verstaut, aus dem er es kurz vor den ersten Sonnenstrahlen wieder herausholt. Weiß ja keiner. Ist ja keiner mehr am Strand, um das zu überprüfen.

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4 Kommentare

  1. schöne Geschichten! Die mit der roten Ente z.B. und auch die mit dem Meerwärter. Ich werde das Meer demnächst auch mal bei Dunkelheit länger betrachten. Habe ich nur ganz selten gemacht. Deine Meer-Fotos finde ich sehr schön!

    Antwort
    • Vielen Dank, liebe Klaudia! Ich freu mich, wenn’s gefällt 🙂
      Und des nachts am Meer sollte man wirklich öfter sein.

  1. Meerparade :: Das Fazit | jazzlounge
  2. Blogparade :: Mein Text zum Meer | jazzlounge

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